Zahnimplantat


Ein eingesetztes Zahnimplantat
1. Das Zahnfleisch
2. Knochengewebe
3. Das Zahnimplantat (Titanschraube)

Zahnimplantate

Ein Zahnimplantat ist eine künstliche Zahnwurzelnachbildung und wird in der Prothetik verwendet. Es gibt verschiedene Arten von Zahnimplantaten, aber das am meisten verbreitete ist das osseointegrierte Zahnimplantat, welches von einem schwedischen Professor (Per-Ingvar Branemark) entdeckt wurde, nach dem Prinzip, dass Titan erfolgreich in den Knochen integriert werden kann, wenn es eine rauhe Oberfläche besitzt. Dies formt eine strukturelle und funktionelle Verbindung zwischen dem Knochengewebe und dem Zahnimplantat aus Titan.

Die Implantation

Ein typisches Zahnimplantat besteht aus einer Titanschraube, welches die Zahnwurzel nachbildet, mit rauher Oberfläche. Die Oberfläche wird entweder mit einer sogenannten "plasma spraying" Verfahren oder mit Sandstrahl behandelt, damit das Integrationspotential des Zahnimplantats erhöht wird. Es wird eine Osteotomie oder eine Präzisionsbohrung durchgeführt, damit das Zahnimplantat in den Knochen eingeführt werden kann.

Die Implantation wird normalerweise ambulant durchgeführt mit lokaler oder allgemeiner Anästhesie. Dies benötigt eine Sitzung, kann aber auch mehrere Sitzungen beanspruchen, falls auch ein Knochenaufbau notwendig ist. Die Einheilung (auch Einheilphase genannt) des Zahnimplantats benötigt in der Regel mehrere (3-6) Monate, diese Prozedur wird in der Fachsprache als Osseointegration bezeichnet. Nach der Einheilung kann die Restauration des fehlenden Zahnes bzw. der fehlenden Zähne beginnen. Der Arzt benutzt das Zahnimplantat für die Verankerung von Kronen bzw. Brücken. Der Patient kann nach der Behandlung sofort kauen, da das Zahnimplantat biomechanisch stabil und fest sitzt.

Es gibt folgende Vorgehensweisen, um Zahnimplantate nach einer Zahnextraktion zu platzieren:

  1. Unmittelbares Einsetzen eines Zahnimplantats nach der Extraktion
  2. Verspätetes unmittelbares Einsetzen eines Zahnimplantats nach der Extraktion (von 2 Wochen bis 3 Monaten nach Extraktion)
  3. Späte Implantation (3 Monate nach Extraktion)

Nach Einteilung der Belastung von Zahnimplantaten, das Belastungsverfahren kann wie folgt eingeordnet werden:

  1. Unmittelbares Belastungsverfahren
  2. Frühe Belastung (1 Woche bis 12 Wochen)
  3. Schrittweise Belastung (3 - 6 Monate)
  4. Späte Belastung (mehr als 6 Monate)

Die meisten Patienten benötigen den längeren Behandlungsplan, welches eine auf mehrere Jahre zurückzuführende hervorragende Entwicklung aufweist. Vor der Implantation wird eine Panoramaröntgenaufnahme mit Messkugeln erstellt, damit eine kalibrierte Messung erfolgen kann, welche vitale Strukturen (wie z.B Nerven oder die Position von kritischen anatomischen Elementen) lokalisierbar macht.

Bei einem zahnlosen Kiefer wird mit viel Vorsicht eine Pilotbohrung angelegt, ohne die vitalen Strukuren zu verletzen (vor allem den Nerv im Unterkieferkanal Nervus alveolaris inferior). Ein Sicherheitsbereich wird gelassen, üblicherweise 2mm, um diesen Nerv zu schonen. Wenn vor dem Eingriff sogar eine Computertomographie (CT) erstellt wird, kann dieser Sicherheitsbereich bis auf 1mm reduziert werden.


Eine Brücke auf Zahnimplantaten

Die Bohrung in den Knochen wird in mehreren Schritten durchgeführt. Die Pilotbohrung wird schrittweise mit breiteren Bohrungen ausgedehnt, üblicherweise besteht dies aus 3-7 Bohrungsschritten je nach Breite und Länge des Zahnimplantats. Damit der Knochen nicht durch Überhitzung beschädigt wird, muss der Bohrer eine Wasserkühlung besitzen, um die Temperatur des Knochens unterhalb von 47 C zu bewahren. Die Titanschraube kann selbstschneidend sein und wird dann mit einem bestimmten Drehmoment, um die umliegenden Knochenstrukturen nicht zu überlasten, in den Knochen eingeschraubt. Ein zu überlasteter Knochen kann absterben, was in der Fachsprache als Osteonekrose bezeichnet wird. Dies führt dann zum Ausfall des Zahnimplantats. Wenn das Zahnimplantat erfolgreich in den Knochen eingesetzt wurde, platziert der Arzt einen Aufbau auf die Titanschraube. Dann wird das Zahnfleisch zusammengenäht und die Osseointegration kann beginnen.

Nach der Einheilung wird das Zahnimplantat durch einen chirurgischen Eingriff aufgedeckt, normalerweise unter lokaler Anästhesie, und eine Heilungsschraube wird aufgesetzt. Dies hilft dem Zahnfleisch eine natürliche Endform aufzunehmen. Schliesslich wird die fertige Krone bzw. Brücke aufgesetzt und nach einigen Kontrollen ist die Sitzung beendet.

Erfolgsstatistik

Der Erfolg einer Implantation beruht auf den Fähigkeiten des operierenden Arztes, auf der Qualität und Quantität des Knochens und nicht zuletzt auf die Mundhygiene des Patienten. Die 5-Jahres-Erfolgsstatistik eines Zahnimplantats liegt zwischen 90% und 95%. Diese Statistik sieht natürlich schlechter aus bei Patienten, die rauchen.

Misserfolg

Meistens ist der Misserfolg eines Zahnimplantats auf die Osseointegration zurückzuführen. Ein Zahnimplantat wird als Misserfolg angesehen, wenn dieses mobil oder herausnehmbar ist oder einen periimplantären Knochenschwund aufzeigt, das grösser ist als 1mm im ersten Jahr oder grösser ist als 0,2mm im nächstfolgendem Jahr.

Zahnimplantate können nicht von Karies befallen werden, aber sie können eine periodontale Erkrankung aufweisen, was in der Fachsprache als Periimplantitis bezeichnet wird (die Entzündung des Gewebes um das Zahnimplantat). Die Ursache ist entweder auf die nicht sterilen Gegebenheiten während der Operation oder auf die ungenügende Mundhygiene des Patienten zurückzuführen. In jedem Fall führt dies zu Knochenschwund, was zuletzt den Ausfall des Zahnimplantats hervorruft.

Periimplantitis wird oft präventiv mit der Gabe von Antibiotika vor und nach der Implantation behandelt. Zudem kann auch eine stärkere desinfizierende Mundspülung verabreicht werden. Da Periimplantitis generell auf Röntgenaufnahmen leicht zu erkennen ist, wird meistens auch nach der Implantation eine Panoramaröntgenaufnahme erstellt.

Das Risiko eines Misserfolges ist erhöht bei Rauchern festzustellen. Deshalb wird in vielen Ordinationen nur dann eine Implantation durchgeführt, wenn der Patient sich das Rauchen abgewöhnt hat. Misserfolg kann auch auftreten, wenn die Position des Zahnimplantats nicht richtig ist. Falls Rauchen oder Positionsprobleme vor der Implantation existieren, empfiehlt der Zahnarzt meistens eher eine Brücke oder eine Teilprothese, als ein Zahnimplantat.

Erwägungen und Aspekte

Für eine Implantation muss eine bestimmte Menge an Knochen vorhanden sein. Aber auch die Qualität des Knochens ist massgebend, d.h. das Knochengewebe muss stark genug sein, um das Zahnimplantat zu halten. Falls dies nicht der Fall ist, muss ein Knochenaufbau oder Sinuslifting stattfinden, um die Implantation zu ermöglichen. Um das Implantat herum müssen sowohl die Nachbarzähne als auch Zahnfleisch und die übrigen anatomischen Strukturen gesund und gepflegt sein.

In jedem Fall muss auch die Funktionalität und die Okklusion des endgültigen Zahnersatzes in Betracht gezogen werden. Wenn die Okklusion nicht korrekt ist, kann es zu einer Überlastung des Zahnimplantats kommen, was schliesslich auch zum Ausfall des Zahnimplantats führen kann. In selten Fällen kann es wegen ungenügender Okklusion auch zur Fraktur des Zahnimplantats kommen oder zu Knochenschwund um das Zahnimplantat herum.

Vor der Implantation muss der Zahnarzt bestimmen, welchen Zahnersatz er auf das Zahnimplantat verwenden wird. Nur dann können auch die Spezifikationen des Zahnimplantats entschieden werden, wie z.B. Länge, Breite, Durchmesser, usw. Die Panoramaröntgenaufnahme oder CT zeigt das Knochengewebe, in welches das Zahnimplantat eingesetzt wird im Detail, und es kann je nach Qualität und Quantität des Knochens entschieden werden, ob ein Knochenaufbau oder Sinuslifting notwendig ist.